Doppelschleifer Ja/Nein

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hoerbi
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Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von hoerbi » Fr 26. Apr 2019, 21:12

Hallo Schnitzfreunde,

ich bin in den letzen Monaten immer wieder über meine Website gefragt worden, ob man auch Schnitzwerkzeuge auf einem Doppelschleifer schärfen kann. Da diese Frage doch viele bewegt, möchte ich diesen Beitrag hier im Forum auch den Gästen zugänglich machen.

Prinzipiell ist es möglich seine Werkzeuge auch auf einem Doppelschleifer zu schärfen, doch sollte man diesbezüglich schon reichlich Erfahrung damit haben, denn ein Anfänger kann noch nicht einschätzen, wann der Punkt erreicht ist, in dem das Werkzeug überhitzt und sieht es erst wenn das Werkzeug „Farbe“ bekommt.
In diesem Moment ist es aber auch schon zu spät und der gesamte Bereich muss zurückgeschliffen werden, da der Stahl an dieser Stelle ausglüht und somit auch seine Härte verliert.

Es spielt dabei keine Rolle, ob nun eine normale Kurrundscheibe, eine Silizium -Karbid oder eine Schleifscheibe aus Aluminiumoxid verwendet wird. Hinzu kommt noch mit welchem Druck das Werkzeug am Schleifstein liegt. Man sollte wissen, das die schnellste Erwärmung am Werkzeug an der schwächsten Stelle des Eisens statt findet und das ist nunmal der Bereich der Fase, die an der Schneide beginnt.
Selbst ein Ausglühen des Stahls ist auf einer Schwabbel -Scheibe mit entsprechenden Andruck durchaus möglich. Daher sollte auch vorsichtig poliert werden.

Viele Schnitzanfänger vertreten die Meinung, das die gesamte Fase des Werkzeuges auf Hochglanz poliert werden sollte.
Das ist jedoch falsch. Vielmehr sollte man mal darüber nachdenken, mit was man schneidet?. Doch sicherlich nicht mit der Fase. Durch das Schwabbeln wird Material an der Schneide und am Ende der Fase abgetragen. Durch das ständige Schwabbeln erreicht man lediglich den Effekt, das die Fase mit der Zeit eine Konvexe Form annimmt und das Werkzeug so einen ganz anderen Fasenwinkel bekommt. Die Fase sollte immer gerade sein oder eine leicht konkave Form, bedingt durch den Radius des Schleifsteines aufweisen. Das kann man ganz leicht mit einem Stahllineal überprüfen. Die Außenkante des Lineals sollte dabei flach auf der Fase aufliegen und nicht schaukeln.

Eine schonende Art sein Werkzeug zu schleifen ist und bleibt das Schärfen auf einem Nassschleifer und das polieren sollte nur soweit betrieben werden, bis der „Faden“ der durch das Schleifen an der Schneide entstanden ist entfernt wurde.
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


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Hans
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von Hans » Fr 26. Apr 2019, 22:32

Danke Herbert ... für deinen ausführlichen Bericht ; solche Fakten sind immer wieder - auch zur Erinnerung -
sehr wichtig . Sehr schnell hat man Werkzeug durch falsches Schleifen - enthärtet !

Grüße aus Franken ... vom Hans
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bmwbugu
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von bmwbugu » Sa 27. Apr 2019, 08:54

Hallo Hörbi

Auch von mir, danke für diesen ausführlichen Bericht.

LG Günter
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Ulrich
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von Ulrich » Mo 29. Apr 2019, 17:05

Hallo Schnitzfreunde, sicherlich ist es sehr gut so ein theoretisches Wissen zu haben. Die Schwierigkeit sehe ich aber in der Umsetzung des Wissens beim Schleifen.
Ich habe so eine Schleifmaschine der Fa. Kurt Koch. Vier Scheiben (siehe Foto). Komme damit so einigermaßen klar. Auch habe ich mal als Siegprämie eine Schleifmaschine gewonnen Geißfüße schicke ich zum Schleifen weg.Das kann ich nicht. Und ehe ich die ( habe mehrere) total verhunze, und neu kaufen müsste, kann ich auch das Geld bezahlen. Gibt es irgendwo Lehrgänge die nur Schleifen von Schnitzeisen lehren? Mir fällt da nur der " Ms. Schnitz "ein.
Gruß Ulli
Ps: Denkt bitte an die Monatsaufgabe. ;) ;)
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hoerbi
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von hoerbi » Mo 29. Apr 2019, 20:28

Hallo Ulli,

die Koch Schleifstation mag nicht schlecht sein, doch mich irritieren die doch recht kleinen Schleifscheiben.
Nun, wenn du damit klar kommst. Diese Schleifmaschine hat ja jede Menge Auflagemöglichkeiten. Auch hierfür gibt es für den Ungeübten Einspannvorrichtungen um das Werkzeug exakt zu schleifen, denn das Schleifen eines Geißfußes ist kein Hexenwerk.
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


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Ulrich
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von Ulrich » Di 30. Apr 2019, 12:36

Grüß euch Schnitzfreunde, hoerbi über die Einspannvorrichtungen hätte ich gern mehr gewusst. Kannst du dazu ausführlich berichten.?
Gruß Ulli
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hoerbi
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von hoerbi » Di 30. Apr 2019, 18:13

Hallo Ulli,

mit den Fotos zeige ich dir zwei meiner Schleifhilfen, die ich mir vor vielen Jahren mal gekauft hatte. Die Schleifhilfe wie im Bild 1 nutze ich hin und wieder, wenn es darum geht dem Werkzeug einen exakten Schliff zu geben. Ich besitze noch einige andere Hilfen doch die funktionieren für meine Zwecke mehr schlecht als recht, wie auch die aus dem Bild2.
Um die Schleifhilfe wie im Bild 1 zu nutzen ist es Notwendig, das die Auflage aus einem 12 mm Rundmaterial besteht.
Mit der Hilfe kann man einen Großteil der Werkzeuge schleifen. Schräg geschliffene Balleisen oder Stich 11 geht nicht, da beim Stich 11 die Hilfe sich nicht weit genug drehen lässt.
Da alle meine Werkzeuge die ich verwende an der Schneide leicht nach hinten geschliffen sind, kann ich diese Hilfen auch nur bedingt einsetzen.
Wer seine Werkzeuge jedoch in einem rechten Winkel zum Eisen schärft, ist so eine Schleifhilfe wie im Bild1 sinnvoll.
Du kannst diese Hilfe auf dem Nassschleifer oder auch auf der Koch Maschine verwenden.
Wenn du das Werkzeug eingespannt hast, stell die Auflage beim aufgelegtem Eisen so ein, das die gesamte Fase auf dem Stein liegt. Du kannst das in der Form so überprüfen, in dem du die Fase mit einem Edding einfärbst. Nun drehe die Schleifscheibe etwas von Hand. Du kannst somit genau prüfen ob deine Einstellung richtig ist.
So gehst du auch bei einem Geißfuß zu. Beachte jedoch, das du zuerst am Boden eine Fase anbringst und anschließend beide Fasen schleifst.

Hier noch der Link für die Schleifhilfe: https://www.amazon.de/Tormek-SVS-38-kur ... 73&sr=8-59
bild1.jpg
bild2.jpg
bild3.jpg
bild4.jpg
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von Volker » Di 30. Apr 2019, 22:52

Hallo Scchnitzfreunde,
Doppelschleifer sind tendenziell zwar nicht schlecht, aber der Schleifscheiben-Durchmmesser ist erst ab 20cm akzeptabel. Kleinere Schleifscheiben machen eine zu tiefe Rundung in die Schneidfase. Chris Pey empfiehlt auf kleinen Schleifscheiben quwer zu schleifen, damit die Schneidfase Plan bleibt! Das kann nicht jeder gleich, ist aber sinnvoll.
Ich habe in 10Jahren Hobbyschnitzen mein Werkzeuge fast immer nur auf Leder abgezogen. Nur die Hälfte meiner Eisen habe ich 1mal quwer angeschliffen.
Aus Holzleisten mit verschiedenen Radien habe ich mit Wildleder bezogene Polierleisten 30cm lang gebaut, und darauf mit Polierpaste (Chromputzmittel) meine Werkzeuge abgezogen.
Viele Grüße von Volker
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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von hoerbi » Mi 1. Mai 2019, 18:19

Hallo Volker,

schön wieder etwas von dir zu lesen. Gewiss ist es richtig, wie Chris Pey schreibt, doch für Schnitzanfänger eine Herausforderung die nicht wirklich funktioniert. Fast alle industriell hergestellte Schleifmaschinen sind so ausgelegt, das beim Schleifen des Werkzeuges eine Hohlkehle innerhalb der Fase entsteht. Diese ist bedingt durch den Durchmesser der Schleifscheibe. Das Schleifen quer zum Schleifstein geht daher nur Freihand, da es keine Auflagen dafür gibt, es sei denn, man fertigt sich selbst so eine Auflage. Persönlich bevorzuge ich das herkömmliche schleifen, allerdings auf einem 250 mm Stein mit einer 20 Grad Fase. Das hat den Vorteil, das man bedingt durch die schwache Hohlkehle innerhalb der Fase, der Zeitraum bis zum nächsten Schleifen etwas hinausgezögert wird.
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


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Re: Doppelschleifer Ja/Nein

Beitrag von Ulrich » Mi 1. Mai 2019, 20:04

Hallo Schnitzfreunde, danke für die Hinweise, bestimmt für jeden Schnitzer brauchbare Hinweise. Jetzt durch deine Fotos hoerbi, weiß ich was du meinst. Ich erinnere mich das jemand, bestimmt du, mal so selbstgebaute aus Sperrholz hier im Forum vorgestellt hat. Nun werde ich mich mal umschauen wo ich so was her bekomme.
Gruß Ulli
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