Fassmalen

Tipps und Tricks zur Oberflächenbehandlung
Karl
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Fassmalen

Beitrag von Karl » Di 29. Dez 2015, 13:09

Hallo !
Ich möchte mal gerne näher auf das Thema Fassmalen und Vergolden eingehen.
Da dies ein etwas aufwendigeres Thema ist würd ich es gerne in verschiedene Abschnitte aufteilen, wie der Leim und dessen Eigenschaften, die Kreiden die man braucht und welche Eigenschaften sie haben, Werkzeuge und Material welches man benötigt und zuletzt die Vorgehensweise.

Vergolden ist ja ein Lehrberuf, aber auch als Hobby Schnitzer und Laie kann man sehr schöne Ergebnisse erzielen.
Erfahrung bei dieser Art der Kunst habe ich schon früher sammeln dürfen, allerdings nur sehr wenig auf Holz, aber bis auf einige Ausnahmen ist ja sowieso alles gleich.

Will man auf seiner Figur oder Holzwerkstück Glanzgold haben, so ist eigentlich nur das Fassen möglich. Dabei wird das Gold zuerst angelegt und die restlichen freien Stellen mit Farbe bemalt – man umfasst das Gold, daher der Name Fassmalen.
Es ist eine sehr alte Kunstform die eigentlich schon wieder in Vergessenheit geraten ist, außer Restauratoren beherrscht das eigentlich kaum noch jemand.
Ich habe nun vor mich etwas näher damit zu befasse, daher werde ich so gut ich kann mir das Schnitzen beibringen – vorerst nur mit Fräsrohlinge -, aber das Hauptaugenmerk wird dabei die Bemalung und das Vergolden sein.

Es wird sicher einige Seiten an Ausführungen und Vorgehensweisen sein, daher bitte ich um Verständnis das es etwas länger dauern wird.
Falls etwas nicht klar sein sollte, einfach fragen – so gut ich es eben kann werde ich antworten (alles weiß ich ja auch nicht und vieles von den alten Wissen habe ich ja auch nur aus alten Büchern, aber das meiste ist schon in der Praxis erprobt)

Bei meine Ersten Beitrag möchte ich gerne auf die verschiedenen Leime eingehen, es dauert nur ein wenig bis ich alles zusammen habe, werde es aber so schnell es mir möglich ist einstellen !

Bis dann und Grüße von den Bergen noch immer ohne Schnee :oops:
Karl
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hoerbi
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Re: Fassmalen

Beitrag von hoerbi » Di 29. Dez 2015, 15:00

Hallo Karl,

ich finde das eine ganz tolle Idee von dir, das Fassmalen hier im Forum ausgiebig zu erklären. Gewiss gibt es viele Hobbyschnitzer, denen das Thema auch interessiert und ebenso zur Oberflächengestaltung gehört wie das Lasieren oder Kolorieren von Holzplastiken.
Auf jeden Fall würde diese Technik das Forum sehr bereichern. :)
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert
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Dietmar
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Re: Fassmalen

Beitrag von Dietmar » Di 29. Dez 2015, 15:24

Hallo Karl,
freue mich auch schon mehr über das Fassmalen zu erfahren, wird sicher eine interessante Sache.
Viele Grüße Dietmar aus Sonnendorf vom Sonnenhof
Karl
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Re: Fassmalen

Beitrag von Karl » Di 29. Dez 2015, 16:32

Danke schön, freut mich da es einigen von euch Interessiert, aber nicht abschrecken lassen wenn es etwas kompliziert wird – es kochen alle mit Wasser und Meister ist auch noch keiner vom Himmel gefallen – einfach mal lesen und fragen.

Zuerst man der Leim – ich werde da immer einen Link angeben wo man diese Dinge bekommt, natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, manchmal kann es auch billiger sein wo anders zu kaufen. Im Allgemeinen kostet es nicht viel eine Vergoldung mit Fassmalerei zu machen, zumindest weniger als eine Schnitzausrüstung.

So, beginnen wir mit dem Leim.
Wir brauchen Glutineleime, keine Tischlerleime aus Kunstharz.
Diese Leime sind ein Naturprodukt und daher schnell verdorben.
Es gibt aber ein paar Tricks um deren Haltbarkeit zu verlängern, so immer im Kühlschrank aufbewahren, wenn man den Leim länger nicht benötigt kann man ihn Portionsweise auch einfrieren.
Die Haltbarkeit kann man auch verlängern wenn man Konservierungsmittel beigibt(ein Tropfen genügt)
http://www.gerstaecker.at/shop/unser-an ... fen-24067a

Für den Geruch soll Nelkenöl helfen, habe ich gelesen aber noch nicht probiert, normal wird das Öl verwendet um die Trocknungszeit von Ölfarbe zu verzögern – ich halte damit die Ölfarbe auf meine Palette frisch.

Leime werden in Graupen als Pulver und in Platten angeboten – alle müssen vorher eingeweicht werden und nach der Quellung in einen Wasserbad erwärmt werden, aber nicht über 65 – 70 Grad da sich ansonsten der Eiweißstoff verändert und die Klebekraft nachlässt.
Arbeitet man so mit 50 bis 60 Grad ist man auf der sicheren Seite.

Die DIN 53260 beschreibt die Matherialeigenschaften von Leim, darauf brauchen wir aber nicht genau einzugehen.
Die Viskosität ist in Millipascalsekunden (mPs) angeben – je kleiner die Viskosität umso größer die Gallertfestigkeit – ist für uns wichtig!
Man unterscheidet:
Hochviskose Leim – hohe Klebekraft, hohe Elastizität – schlechte Verlaufseigenschaften – niedriges Eintringvermögen(Hautleim, Leim aus Fischblasen)
Niedrigviskoser Leim – geringe Klebekraft, geringe Elastizität, spröde - gute Veraufseigenschaften und gutes Eintringvermögen(Knochenleim, Gelamtine)

Also ein Leim wird gemessen in
mPs.: Viskosität
Blgr.: Gallertfestigkeit

Für unsere Gründe und zum Vergolden brauchen wir nur drei Sorten Leim, die anderen Sorten werden für Buchbinder und Geigenbau gebraucht.

Wir benötigen :
Gelantine 32 mPs /150-160 Blgr
Ich nehme dazu die Speisegelantine in Pulver Form, wir für Gelee von Obstkuchen verwendet – kostet so 1,. drei Päckchen

Knochenleim 36-44 mPs 240-250 Blgr
http://www.kremer-pigmente.com/de/mal-- ... 63000.html

Hasenhautleim 140-160 mPs 380-420 Blgr
http://www.gerstaecker.at/shop/unser-an ... fen-29075a

Diese drei Leime werden beim Fassmalen und Vergolden verwendet – bitte keine anderen probieren, die Rezepte sind alle sehr alt und erprobt, wieso das Rad neu erfinden.

Es werden keine großen Mengen benötigt, lieber immer wieder neu kaufen wenn eine Sorte zu Ende geht – so 250 g bestelle ich immer.
So, das wäre es für Erste, weiter geht es etwas später mit den Werkzeug welches man braucht, dazu muss ich noch einige Fotos machen – also bis dann :D
LG Karl
Dirk
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Re: Fassmalen

Beitrag von Dirk » Di 29. Dez 2015, 19:42

Hallo Karl
Danke dass Du Dir die zeit nimmst dafür.
Ich bin schon gespannt wie es weiter geht.

mfg
dirk
Karl
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Re: Fassmalen

Beitrag von Karl » Di 29. Dez 2015, 22:06

Bevor wir ans Werkzeug gehen möchte ich noch ein wenig die Kreiden Erklären die wir für den Grund brauchen.
Man muss sich nicht gleich alle Arten kaufen, es hängt immer von den Gegenstand ab welchen man Vergolden will, danach richte sich die Art der Mischung der Kreiden und der Aufbau des Untergrundes.

Champagner Kreide
http://www.kremer-pigmente.com/de/fuell ... 78938cb734
wird bei allen Gründen gebraucht, das ist gleichsam die Stammkreide, meist kaufe ich so 10kg – für den Anfang genügt 1kg

Bologneser Kreide
http://www.kremer-pigmente.com/de/fuell ... 58150.html
wird eins zu eins mit Champagner Kreide gemischt wenn der Grund nachgeschnitten werden soll, ansonsten nimmt man Kaolin, das macht den Grund härter, er ist aber schlechter zum Nachschneiden, dafür glänzt das Gold besser da man es härter polieren kann.
1 kg genügt für den Anfang – ich kaufe meist 5 kg

China Clay oder Kaolin
http://www.kremer-pigmente.com/de/fuell ... 58200.html
1 kg ist da genug, das braucht man nicht so oft

Stein Kreide
http://www.kremer-pigmente.com/de/fuell ... 58162.html
1 kg ist da genug.
Da ein Kreidegrund sehr schlecht auf Holz hält, macht man zuerst einen Steingrund, darauf haften die nachfolgenden Gründe sehr gut.
Der Nachteil ist aber das man den Grund später nicht reparieren(nachschneiden) kann.
Also sollte man diesen Grund nur dort nehmen wo man nicht nachschneiden muss – so wie Figuren mit wenig Feinheiten(Augen und Finger kann man mit ein wenig Geschick auch mit Steingrund nachschneiden).
Aufwändige Schnitzereien wie Relief mit Hinterschneidungen oder Leisten mit komplizierten Schnitzereien soll man keinen Steingrund verwenden da diese immer repariert werden.

Es gibt aber einige Tricks das auch ein normaler Kreidegrund auf Holz hält – dazu später mehr, auch zu den Rezepten und wie man solche Gründe ansetzt.

Weiter geht es dann mit dem Gold und Silber welches man ja auch braucht.

Bis dann, schöne Grüße Karl
Sepp
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Re: Fassmalen

Beitrag von Sepp » Mi 30. Dez 2015, 10:04

Hallo Karl

Deine fachmännische Beschreibung ist für mich sehr lehrreich.
Danke für deine große Mühe uns in die Geheimisse der Malerei Einblicken zu lassen.

Gruß Sepp
Karl
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Re: Fassmalen

Beitrag von Karl » Mi 30. Dez 2015, 10:32

Danke euch allen, werde mich bemühen auch weiterhin so einfach es geht zu schreiben - man fällt da sehr leicht ins "Fachmännische - Wissenschaftliche" - wenn das passiert, einfach sagen, das passiert mir manchmal in der Hitze des Gefechtes
LG Karl
Karl
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Re: Fassmalen

Beitrag von Karl » Mi 30. Dez 2015, 13:19

Gold und Silber
Gold welches wir für die Glazvergoldung brauchen wir in Heften angeboten.

Bitte nicht mit Schlagmetall/Kompostitionsgold verwechseln, das geht für unsere Art der Vergoldung nicht.

Es sind 25 Blatt zwischen Seidenpapier gepresst.
12 Hefte ergeben ein Buch.

Blattgold wird auf 1/8000 mm zum Teil noch händisch geschlagen, es entstehen dabei Blätter von 8X8 cm, gleich wie Silber das ein wenig dicker ist.

Es wird als Sturmgold/auf Seidenpapier gepresst oder lose verkauft – wir brauchen das lose Blattgold.
Die Feinheit, also der Goldanteil wird in Karat gemessen, der geht von 22 – 24 Karat.
Alle Goldsorten unter 23 Karat sind mit unedlen Metallen gemischt und verändern mit der Zeit ihre Farbe(rosten, oxydieren) daher müssen sie mit einen Schutzlack überzogen werden.

Man kann es an der Farbe der Briefchen erkennen wie viel Karat das Gold hat, ab 23 Karat haben die Briefchen die Farbe Violett und genau diese brauchen wir.
Ich verwende meist Rosenoble Doppelgold mit 23,75 Karat, das ist für innen sowie für außen geeignet
http://suche.gerstaecker.at/search.jsp? ... tgold#shop

Beim Gold und Silbereinkauf sollte man sehr genau schauen, es sind sehr große Preis.- und Qualitätsunterschiede im Handel.
Hände weg von sogenannten reinen Gold aus Tibet, Thailand, sogenanntes Tempelgold das da um einen Euro Blatt – meist 12X12 cm – angeboten wird.

Stimmt das Gold nicht, ist die ganze Arbeit welche man in den Grund investiert hat umsonst gewesen.
Lieber bei einen Deutschen Goldschlägert kaufen, ist etwas teurer hat aber die nötige Qualität - das gleiche gilt auch bei Silber.

Es gibt da auch noch andere Arten von Gold, wie Goldstaub, Muschelgold, Goldpaste usw. darauf möchte ich nun aber nicht so genau eingehen, ist auch so schon kompliziert genug.
Falls es jemand genauer wissen will, so einfach fragen.

Man braucht nicht allzu viel von diesen Gold vorerst kaufen, meist genügt ein Briefchen, erst wenn man vorhat in Zukunft mehr zu vergolden sollte man einen billigen Goldpreis abwarten und sich ein Buch oder mehrere sich auf Lager legen.

Weiter geht es dann endlich mit den Werkzeugen und natürlich mit den Farben(das ist mein Spezialgebiet) aber das wird dann ein etwas ausführlicher Beitrag, also dauert es ein wenig, soll ja auch Spaß machen das Lesen und nicht Stressen.
Schöne Grüße aus den kalten Bergen
Karl
Zuletzt geändert von Karl am Mi 13. Jan 2016, 08:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Dietmar
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Re: Fassmalen

Beitrag von Dietmar » Mi 30. Dez 2015, 16:35

Hallo Karl,
interessante Ausführungen, ich werde sie aus drucken, vielen Dank.
Viele Grüße Dietmar aus Sonnendorf vom Sonnenhof
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