SbS Fassen und Glanzvergolden

Tipps und Tricks zur Oberflächenbehandlung
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hoerbi
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von hoerbi » So 17. Jan 2016, 11:04

Hallo Karl,

ich habe nun diesen Beitrag aufmerksam verfolgt und finde es toll, wie ausführlich all das von dir erklärt ist.
Wenn man einmal die Zusammenhänge begriffen hat, stelle ich mir das gar nicht so schwer vor.
Auf jeden Fall ist es für mich Neuland und was neu ist werde ich auch probieren.
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


http://www.schnitzen-hr.de
Karl
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Karl » So 17. Jan 2016, 14:23

Hallo Thomas !
Da gebe ich dir vollkommen recht, es macht Spaß Wissen weiterzugeben, vor allen wen es jemanden Interessiert, da ist die ganze Arbeit nicht umsonst gewesen.
Da gebe es ja noch so vieles zu erzählen, zu zeigen, ein wenig aus der Praxis zu plaudern und ich habe auch keine Ahnung was noch daraus wird :lol:

hoerbi, es ist gar nicht kompliziert, einmal unter etwas Anleitung gemacht und es funkt immer - macht auch mächtig Spaß - ich habe diese Gründe (wahren verschiedene) sehr oft gemacht und es wurde nie langweilig.
Außerdem wer hat schon eine echt Glanz vergoldete und Gefasste Figur zu Hause, ich glaube nicht all zu viele - so was ist schon was Besonderes ! :mrgreen:

Wie gesagt, Kreidegrund währe mal der Anfang, da gibt es noch viel mehr :roll:
LG Karl
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Volker
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Volker » So 17. Jan 2016, 18:50

Hallo Karl,
ich finde es bewundernswert welche Mühe Du Dir gegeben hast, Anfänger in die Tiefen der professionellen Fassmalerei und Vergoldung einzuweihen. Ich habe in einem Museum, an einer Madonna, mal die einzelnen Arbeitsgänge vom geschnitzen Holz und jeweils verschoben auf dem Kleid die nächst folgenden Arbeitsgänge sehen können. Ich war begeistert und erstaunt über den enormen Aufwand den man dabei getrieben hat.
Viele Grüße von Volker
Karl
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Karl » So 17. Jan 2016, 19:13

bevor ich nun zum polimentieren komme noch ein kleiner Hinweis. Mir ist aufgefallen das die Figur sehr feine Sprünge bekommt, nicht so wie bei der Letzten Figur, solche die aussehen wie ein Spinnwebe, sonder sie verlaufen der Länge nach in den Vertiefungen und zwar erst seit dem Schlemmen.
Das ist wahrscheinlich eine Folge von zufiel Wasser, oder es ist der Grund in den Vertiefungen etwas dicker.
Bei meiner nächsten Figur werde ich auf das Schlemmen verzichten und mal schauen ob es dann besser ist.
Bei Gips ist mir so etwas noch nie passiert, ist wahrscheinlich das ich bei Holz die Rezeptur noch etwas verändern muss - das ist aber eine Frage von Zeit und Praktischen Erproben.
Foto habe ich noch keines gemacht, ich will erst etwas abwarten ob die Sprünge größer werden.

Also nun das Poliment.
Das vorher angemachte Poliment kurz im Wasserbad erwärmen, gerade so viel das es etwas flüssiger wird ca. 20 Grad dann die Stellen der Figur einstreichen welche vergoldet werden soll. Es ist egal wenn man etwas daneben streicht, es ist nur wichtig das ein möglichst gleichmäßiger Überzug an diesen Stellen "aufgepinselt" wird.
Unbedingt Handschuhe und den Polimentpinsel verwenden.
Bild 1
Insgesamt braucht es 3-4 Aufträge des gelben Polimentes, wobei der untere Anstrich angetrocknet sein soll - nicht durchgetrocknet, das erkennt man an der Farbe des Aufstriches.
Wenn er matt wird kann man mit den nächsten Polimentanstrich darüber gehen - dauert ca 15 - 30 Min.
Bild 2 und 3
Es ist wichtig das man einen möglichst glatten, nicht verlaufenden Auftrag bekommt. Rinnt das Poliment ab, ist es zu warm, steht es das man "Hügel oder Tropfen" bekommt, ist das Poliment zu kalt.
Mit jeden Auftrag sollte man satter werden(glatter und dicker).
Es ist schlecht zu Erklären, das ist wieder Erfahrungssache.

Bild 4 zeigt die Figur nach viermaligen gelben Polimentauftrag - manchmal sind mehr Aufträge nötig, aber auch manchmal weniger.
Hat man dann eine Porzellan artige oder Plastikartige Oberfächer ist es genug und man kann noch ein bis zwei rote Polimentaufträge anbringen.
Bild 5
Diese dann nur mehr in den Höhungen, in den Vertiefungen soll das Gelbe Poliment zu erkennen sein.

Diese zwei Schichten ergeben die Farbe des Goldes und machen es erst möglich das Gold mit den Achat zu polieren.

Wichtig dabei ist absolute Sauberkeit, der kleinste Fettfleck oder ein Pinselhaar verderben die Glanzvergoldung.

Den Rest vom Poliment entsorgen und das Glas und vor allen den Pinsel mit heißen Wasser auswaschen.
Den Pinsel nur für diese Arbeiten verwenden,wurde einmal eine andere Farbe mit ihn gestrichen, kann man ihn bei der nächsten Polimentierung nicht mehr verwenden.

Nun die Figur wieder gut trocknen lassen und polieren, aber das Erklärer ich dann Morgen.
Tja, dann ist es geschafft und der Grund ist fertig.
Dateianhänge
Poliment 1.jpg
Poliment 2.jpg
Poliment 3.jpg
Poliment 4.jpg
Poliment rot.jpg
Zuletzt geändert von Karl am So 17. Jan 2016, 19:28, insgesamt 1-mal geändert.
Karl
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Karl » So 17. Jan 2016, 19:25

Danke Volker für dein Interesse, freut mich sehr :D
Diese alten Techniken sind ja mein Hobby, aber leider habe ich noch nie so etwas wie du im Museum gesehen, würde mich natürlich brennend interessieren so was auch mal zu sehen.
Diese Barocken Kirchenfiguren mit diesen wunderbaren Bemalungen und Vergoldungen sind ja auch etwas ganz Besonderes und durchaus auch von uns Hobbyschnitzern zu machen.
Hat man mal eine solche "Schönheit" hin bekommen, hat man Freude, sein ganzer Leben lang damit.
LG Karl
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Karl » Mo 18. Jan 2016, 10:31

Polieren: man poliert den Polus damit die Netze - die Flüssigkeit auf dem das Gold schwimmt und die aufgesaugt wird durch den Kreidegrund - länger "steht".
Ich verwende dazu eine Polimentbürste, man kann aber auch jede andere nehmen, so eine zum Schuh putzen z.B. nur sollte sie neu sein und nur mehr für das Polimentpolieren verwendet werden.
Weiters nehmen ich ein Rosshaartuch, welches man früher auch verwendet hat, es geht aber auch ein etwas gröberes sauberes Leintuch.
Die Bürste poliert die Tiefen wo man mit dem Tuch nicht hinkommt.
Ist dieses nun gemacht, der Polus glänzt schön ist man fertig um das Gold anzuschießen.
Bild 1
Das werde ich aber nun nicht Erklären, so etwas sollte man sehen, das ist reine Übungssache.
Dazu zwei Links, es gibt auch DVD´s zu kaufen, aber hat man es einmal erfolgreich gemacht gelingt das immer.
https://www.youtube.com/watch?v=1_mRIteQtK4
https://www.youtube.com/watch?v=SGXZhFaf2xA

Das Fassmalen werde ich in einen eigenen Beitrag versuchen zu Erklären, da habe ich selbst noch sehr wenig Erfahrung und muss noch viel probieren. Aber wenn ich den "Durchblick" habe werde ich den Beitrag schreiben, daher bitte ein wenig Geduld - ich muss ja auch noch einen abstrakten Osterhasen schnitzen :D

Bs.: Dieser Hase ist für mich nicht leicht zu machen, da bei uns in den Bergen ja der Osterhase immer vom Adler geholt wird.
Mangels eines Vorbildes zum abgucken(Modell) habe ich da schon einen großen Nachteil, daher habe ich gedacht ich nehme unsere Katze, einige große Ohren dazu und der Oster- Katzenhase ist fertig .. oder Hasenkatze - na ja ist eh abstrakt :lol:

Dieses Bs.: kann man getrost überlesen, wahr ein Literarischer Ausrutscher und hat nix mit den Kreidegrund zu tun.
Und so liebe Schnitzfreunde, wenn etwas nicht verstanden wurde einfach Fragen, und ansonsten viel Spaß beim Kreidegrund basteln.
Liebe Grüße au den Bergen
Karl
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polieren Poliment.jpg
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Volker » Mo 18. Jan 2016, 18:57

Hallo Karl,
die Madonna im Buxtehuder Museum zeigt die Arbeitsschritte. Übrigens wurde die vor der Vergoldung rot grundiert um eine dottergelbe Goldoberfläche zu erzeugen. Zur Zeit leider eingemottet, weil das Museum umgebaut wird.
Viele Grüße von Volker
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Karl » Mo 18. Jan 2016, 19:23

ja, gleich rot wie meine Statue und dieses Rot nennt man Poliment - ist eine Tonerde und macht den schönen Glanz vom Gold.
LG Karl
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Re: SbS Fassen und Glanzvergolden

Beitrag von Karl » Di 19. Jan 2016, 11:34

Die Statue ist nun Hochglanzvergolder, sie hat einen wunderbaren Glanz.
Sie wurde mit einen Achat auf Hochglanz poliert.
Ich habe die Polimentierung nicht mit 1000 Schleifleinen geschliffen - was man an sonst macht um keine kleinen Sprünge zu bekommen - aber diese kleinen Sprünge und kleine Fehlstellungen will ich habe, da die Statue patiniert wird und alt aussehen soll.

Um die Patiena noch echter wirken zu lassen habe ich das Gold mit Watte noch etwas abgerieben.
Ob nun das Gold mit Schellack überzogen wird, weiß ich noch nicht, wird entschieden wenn sie gefasst ist.

Bei Spiegelrahmen oder manchen schlichten Bilderrahmen finde ich eine nicht patinierte Oberfächer schöner, es wirkt sehr edel, bei einer Figur finde ich ist es schöner wenn das Rote Polus etwas durchscheint, aber das ist Geschmackssache

Bild 2 die Fertige Vergoldung
Bild 1 ein Ausschnitt mit den durchscheinenden Polus
(etwas unscharf - spiegelt zu sehr daher ist es schlecht zu fotografieren)
LG Karl
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Gold ausschnitt.jpg
Gold fertig.jpg
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