Behandlung von Alt- und Treibholz

Tipps und Tricks zur Oberflächenbehandlung
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Regina
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Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von Regina » Do 30. Jun 2016, 21:41

Hallo,

ich bin neu im Forum und hätte da gleich eine Frage:
Ich verarbeite hauptsächlich "totes" Holz (also Treibholz, abgebrochene Zweige, Baumstrümpfe usw.) zu Tierfiguren und kleinen Fantasieskulpturen. Die meisten davon belasse ich, so wie sie sind, aber einige - wenn das Holz nicht schön ist oder wenn sie für Kinder bestimmt sind - bemale ich mit giftstofffreien Farben. Bisher habe ich dafür als Unterlage nur Lasur verwendet, aber nach einem Beitrag in eurem Forum frage ich mich, ob sich die Behandlunng mit Hasenhautleim auch in diesem Fall lohnt, d.h. eine bessere Imprägnierung und vor allem eine bessere Haftung (und kein Ineinanderlaufen der Farben) bringt.

Und ganz allgemein möchte ich wissen, ob bei totem Holz, das ja keinen Wurm und auch sonst keine Krankheiten mehr hat, besondere Sachen berücksichtigt werden müssen. Bisher hatte ich nie Schwierigkeiten, außer Brüchen und Überraschungen mit plötzlich im Innern auftauchenden Löchern, aber wie gesagt, ich arbeite erst seit etwa zwei Jahren mit diesem schönen Material.

Danke und einen schönen Gruß aus Italien an alle,
Regina
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Thomas
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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von Thomas » Fr 1. Jul 2016, 11:00

Hallo Regina,

erstmal herzlich willkommen bei uns im Forum.

Ein Grundierung hat erstmal den Zweck, die Saugfähigkeit des Materials zu egalisieren.
Wenn du Stirnflächen versuchst ohne Grundierung zu bemalen, saugt das Holz die Farbe an diesen Stellen auf.

Die Holzfasern kann man sich wie ein Bündel Trinkhalme vorstellen, nur viel kleiner. An den Strinflächen liegen die Öffnungen frei. Diese werden mit einer Grundierung verschlossen, so das die Farbe eine geschlossene Fläche vorfindet und nicht in den Öffnungen verschwindet.

Dann gibt es noch einen Vorteil beim Grundieren. Wenn du eine Holzfläche schleifst, werden winzige Teile der Oberfläche aufgerissen. Wenn diese nun feucht werden, stellen sich diese Fasern auf und nach dem trocknen bleibt eine rauhe Oberfläche zurück. Das passiert auch beim Grundieren. Diese Fasern werden dann nochmal abgeschliffen und es wird noch eine zweites mal Grundiert. Jetzt stellen sich nur noch sehr wenige Fasern hoch, da durch die erste Grundierung die Öffnungen der Fasern verschlossen wurden.
Um sehr hochwertige Lackierungen anzubringen muss dieser Vorgang mehrere male wiederholt werden.

Bei unseren Schnitzwerken treiben wir das aber nicht so weit ;).

Die Grundiermittel unterscheiden sich je nach der Art der Endbehandlung.
Wenn man nur mit Wachs die Oberfläche versiegelt braucht man keine Grundierung.
Zum Ölen kann man auf eine Grundierung verzichten, wobei die Stirnflächen meisten etwas dunkler werden, weil auch hier mehr Öl aufgesaugt wird. Dieser Effekt kann aber auch positiv sein, da Konturen mehr betont werden.........
Beim Bemalen sollte eine Grundierung verwendet werden. Die Grundierung ist abhängig von der verwendeten Farbe.
Bei uns werden oft Schulmalfarben benutzt. Hier hat sich der Hasenhautleim als gutes Grundiermittel erwiesen.
Der Leim ist tierischen Ursprungs und enthält keine Giftstoffe.
Alternativ kann man ein Weißleim / Wassergemisch nehmen. Das Mischungsverhältnis wurde in einen anderen Forenbeitrag geschreiben.
Es gibt auch fertige farblose Holzgrundierungen.
Die Grundierng verhindert auch, das Farben ineinander verlaufen. Wenn man lasierend arbeitet, ist es sehr unschön, wenn die Farben ineinander ziehen.

Die Risse im Holz sind normal, da es teilweise monatelang im Wasser lag. Dann muss das Holz sehr langsam getrocknet werden, damit sich keine Spannungsrisse bilden. Diese können auf auch im nachhinein sehr interessante Effekte bringen.
Holz, das du aussen aufstellst sollte zumindest mit einem Öl oder einer Lasur geschützt werden. Es vergraut sonst sehr, oder wird von Schädlingen bevölkert.
Viele Grüße,
Thomas

Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.
Regina
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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von Regina » Fr 1. Jul 2016, 12:31

Vielen Dank Thomas für die ausführliche Antwort.

Noch eine schöne Sache am Bearbeiten von Holz ist, dass man Experimentieren kann und manchmal Überraschungen erlebt. Wie bei dem eindeutig hässlichen Stück, das ich diesen Winter aus dem See gefischt und nur seiner bizzarren Form wegen mitgenommen habe. Nachdem ich die oberste Schicht weg hatte, kam darunter richtig schönes, dunkles Holz zum Vorschein, allzu lange hat das Teil also nicht im Wasser gelegen :)

Schönes Wochenende und Gruß,
Regina
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Hans
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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von Hans » Fr 1. Jul 2016, 18:39

Hallo Regina ,
ein freundliches Willkommen auch von mir ; schön , daß du in dieses Forum gefunden hast .
Alt.- und Treibholz , das ist ja mal was ganz neues hier im Forum . Habe damit aber keine Erfahrung , da es bei mir im Frankenland ( Nürnberg - Bamberg - Bayreuth ) kein Treibholz in der Natur gibt und Altholz aus dem Wald , das ist fast immer vermorscht, da es auf den feuchten Böden herumliegt .
Einmal aber habe ich für jemand eine Wurzel behandelt , die er für eine Krippe verwenden wollte .
Ich habe nach der gründlichen Reinigung das Ganze dann mit " Parkettöl " auf Wasserbasis eingelassen , es wurde richtig fest und hält schon seit Jahren gut zusammen.
Es ist aber richtig interessant was du da machst. Vielleicht kannst du mal auch ein Bild von solchen Teilen einstellen.

Viele Grüße von Hans aus Franken
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hoerbi
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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von hoerbi » Fr 1. Jul 2016, 23:06

Hallo Regina,

auch ich möchte dich hier im Forum auf das herzlichste begrüßen.
Um auch gleich auf deine Fragen einzugehen, die Thomas bereits sehr anschaulich beantwortet hat. Ich möchte daher nur noch hinzufügen, das es keine Rolle spielt, ob man nur mit Treibholz ,totes Holz oder aus normalem Schnitzholz Gegenstände fertigt. Mit einer Grundierung der fertigen Arbeit ist man immer auf der besseren Seite, besonders wenn man diese Arbeit farblich gestalten möchte.
Persönlich grundieren ich auch meine Arbeiten, die ich Natur belasse, denn gerade an den Stirnholzflächen versiegt auch der aufgetragene Wachs mit der Zeit, Staub setzt sich ab und dringt auch tief in die offenen Poren, den man nich wieder herausbekommt. Daher gilt meine besondere Aufmerksamkeit beim Grundieren immer den Stirnholzflächen.
Du musst wissen, das Holz, ganz gleich in welchem Zustand es sich befindet immer Feuchtigkeit aufnehmen kann und auch wieder abgibt. Dieser Prozess ist für das menschliche Auge nicht sichtbar. Wie Thomas schon treffend geschrieben hat, verhindert eine Grundierung auch das ineinander verlaufen der Farben. Die Verwendung von Hasenhautleim kann ich dir daher nur empfehlen, denn fertige Grundierungen wie sie im Handel angeboten werden, sind oftmals so verdünnt, das diese nur bedingt verwendet werden können.
Wovon ich dir jedoch abraten kann, ist deine Arbeiten mit einem Klarlack zu versehen, denn der wird nach Aushärtung schnell brüchig und Teile des Lackes bröckeln aus deiner Arbeit und lassen diese unansehnlich erscheinen.
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


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Regina
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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von Regina » Fr 1. Jul 2016, 23:28

Danke für Deinen Willkommenswunsch!

Hier ein Foto von einer meiner Arbeiten, leider bin ich manchmal zu "undiszipliniert" und vergesse, das Stück, so wie ich es gefunden habe, zu fotografieren, deshalb hier nur das Endergebnis ohne "Rohling". Ist übrigens nur mit zwei Schichten ganz normaler Glasur behandelt, und da ich auch die Schnecke verschenkt habe, weiss ich nicht, ob damit in der Zwischenzeit holztechnisch etwas passiert ist.

Mit freundlichem Gruß,
Regina

P.S. Die anderen Bilder davon sind leider zu groß für einen Upload...
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hoerbi
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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von hoerbi » Sa 2. Jul 2016, 11:38

Hallo Regina,

es gibt im Netz einige kostenlose Programme wie z.B. IrfanView mit denen du jedes Foto in eine von dir gewählte Große ändern kannst.
Ein weiteres Programm wäre: http://www.chip.de/downloads/TinyPic-Bi ... 55921.html

Hier im Forum ist die gebräuchlichste Größe 640 X 480 Pixel mit einer Dateigröße von max 100 kb.
Mit besten Grüßen aus Thüringen
Herbert


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Re: Behandlung von Alt- und Treibholz

Beitrag von Regina » Mo 4. Jul 2016, 12:20

Danke Hoerbi für Deine Antworten, habe die Bilder mit Tynipic verkleinert und versuche jetzt, sie in der Rubrik "eure Arbeiten" zu posten.

Wünsche allen eine gute Woche,

mit Gruß.
Regina
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